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Montag, 20. Juni 2011

Frankreich und seine Vergangenheit

Frankreich hat sich stets schwer getan mit der eigenen Vergangenheitsbewältung, insbesondere mit der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Ausgerechnet in dem Land, in dem die Französische Revolution von 1789 zur Proklamation der Menschen- und Bürgerrechte führte und die Aufständischen mit der Losung "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" das verkrustete und despotische Feudalsystem mit einem weltbewegenden historischen Ereignis sprengten, wurden ethnische Minderheiten und politisch Andersdenkende bis in die 1990er-Jahre hinein unterdrückt, verfolgt, gefoltert und getötet. Bis heute werden in französischen Schulbüchern die dunklen Kapitel der jüngeren Geschichte aufgrund falsch verstandenen Patriotismus oder gar übersteigertem Nationalismus kaum ausgeleuchtet.
Während dem Französischen Indochinakrieg (1946 - 1954) verweigerte die Kolonialmacht Frankreich, das kurz zuvor im 2. Weltkrieg selbst erlebt hatte was Besatzung im eigenen Land bedeutet, den Menschen in Französisch-Indochina die Unabhängigkeit. Die Pariser Regierung scheute auch davor nicht zurück, Deutsche Truppen als Legionäre in einem blutigen Krieg einzusetzen, die wenige Jahre zuvor auf Seiten der Wehrmacht oder Waffen-SS gegen Frankreich gekämpft hatten.
Die Niederlage von Dien Bien Phu und der darauffolgende schmächliche Rückzug der "Grande Nation" aus Ostasien offenbarte aller Welt, das die Werte der Französischen Revolution zumindest nicht für die ethnischen Minderheiten im Kolonialreich galten.
Dies zeigte sich spätestens im dunkelsten Kapitel der französischen Nachkriegsgeschichte: Dem Algerienkrieg von 1954 bis 1962 in dem sich das Mutterland besonders gewaltätig und inhuman zeigte. Von den Viatnamesen in Fernost gedemütigt, wollte die französische Regierung in Nordafrika ein 2. Indochina mit allen Mitteln vermeiden. Und in der Wahl der Mittel war die französische Armee nicht zimperlich. Es wurde verfolgt, vertrieben, gefoltert und gemordet. Die Schätzung über die Zahl der Opfer schwanken zwischen 300.000 und 1.500.000 Menschenleben. Zynischerweise weisen die Zahlen der armenischen Opfer bei Massakern durch die osmanische Militär-Junta während dem 1. Weltkrieg ähnliche Werte auf. Als sich die Regierung in Frankreich mit einer Gesetzesinitiative gegen die Leugnung am armenischen Völkermord beschäftigte, kam folgerichtig der türkische Einwand, erst mal vor der eigenen Haustür zu kehren und die Gräultaten während dem Algerienkrieg aufzuarbeiten. Noch heute werden führende französische Verantwortliche an den Massakern in Algerien als Kriegshelden in Teilen der französischen Gesellschaft verehrt.
Auch der Krieg in Nordafrika ging für Frankreich verloren.
In den 80er-Jahren zeigte Frankreich erneut, wie es mit politisch Andersdenkenden verfuhr, wenn diese allzu penetrant auf Mißstände hinwiesen. Am 10. Juli 1985 wurde das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior" durch eine Spezialeinheit des französischen Geheimdienstes DGSE im Hafen von Auckland versenkt. Dabei starb ein Aktivist.

Filmkritik Hangover 2

Hangover 2 ist ein unkreativer Aufguß vom ersten Teil. Während man beim ersten Teil hemmmungslos los lachen könnte, überfallen einen beim zweiten Teil nur ganz selten ein paar Lacher. Leider sind die Pointen genauso schlecht wie die Story, die komischen Situationen aus dem ersten Teil werden fast 1:1 kopiert und dann künstlich aufgebauscht

Der Euro - Ist Er zu stark, bist Du zu schwach !

Vor über neun Jahren wurde der Euro als offizielles Zahlungsmittel in elf EU-Staaten eingeführt. Die Einführung der neuen Währung verursachte bei den Deutschen ein Gefühl der Angst, Ihre starke D-Mark zu verlieren und einer "weichen" Währung ausgeliefert zu sein. Irland, Portugal, Spanien und auch später Griechenland (ab 2oo1) hofften endlich auf eine stabile Währung um sich von der chronischen Inflation der eigenen nationalen Währung befreien zu können.
Die Angst der Deutschen wurde schnell genommen und auch die Hoffnungen der südlichen Euro-Länder wurden zunächst erfüllt. Endlich brauchte niemand mehr in der Euro-Zone lästige Devisen umzutauschen um im Ausland Waren einzukaufen. Verluste durch Währungsschwankungen gehörten fortan der Vergangenheit an. Alle Güter und Dienstleistungen innerhalb der Eurozone waren von nun direkt preislich vergleichbar. Die Deutschen konnten Ihre Forderung durchdrücken, das der Euro hart blieb und im Verhältnis zum Dollar sogar noch härter wurde. Sie wußten aus Ihrer eigenen Wirtschaftsgeschichte, das eine harte Währung nur durch wirtschaftlichen Erfolg, Effizienz und Leistung garantiert werden konnte. Alles andere führte zu einer schleichenden und manchmal auch galoppierenden Inflation. Um die Konkurrenzfähigkeit der Deutschen Wirtschaft zu gewährleisten, setzte ausgerechnet die sozialdemokratische SPD mit Beteiligung der Grünen die härtesten Arbeits- und Sozialmarktreformen
durch, welche die BRD seit Ihrer Gründung erlebt hatte. Die sogenannte "Agenda 2010" zeigte dann auch ab Mitte der 2000er-Jahre erste Blüten und auf dem Deutschen Arbeitsmarkt ging es parallel mit dem wirtschaftlichen Aufschwung aufwärts. Der Preis war der reale Lohnverzicht der deutschen Arbeitnehmer was letztlich zur Abwahl der ersten rot/grünen Regierung führte.
Die südlichen Euro-Staaten, die nicht mit der deutschen Wettbewerbsfähigkeit mithalten konnten, merkten spätestens mit der Finanzkrise, das der Euro für Sie doch zu hart war, um den wirtschaftlichen Abstand zu Kerneuropa einzuholen. Korruption, Mißmanagement der Regierungen und fehlende politische Weitsicht führten schließlich zur aktuell immer weiter zuspitzenden Schuldenkrise. In all den Heilsversprechen und Hoffnungen der Euro-Befürworter hatte schlicht keiner daran gedacht, das die Eurozone aus mehreren Staaten bestand, die nicht nur geografisch, sondern auch wirtschaftlich weit auseinander lagen. Keiner hatte an eine Exit-Strategie gedacht oder ein Worst-Case-Szenario erarbeitet. Das, was bei modernen Großprojekten zu zentralen Punkten in der Analyse gehört, nämlich das Risikomanagement, wurde bei der Euro-Einführung schlicht verschlafen. Der Euro ist ein Produkt der Eurokraten, nur leider gibt es keine Produkthaftung für politische Projekte und somit kann a
uch niemand zur Rechenschaft gezogen werden.
Der aufmerksame Wähler kann daraus nur lernen und beim nächsten Großprojekt auch nach dem Risikomanagement fragen. Die Stuttgart-21-Gegner haben es bereits vorgemacht.

Schallende Ohrfeige der türkischen Wähler

Am letzten Sonntagabend hallte ein lauter Knall aus der Türkei Richtung Europa. Aber nicht die dort zur Wahl angetretenen Parteien erhielten eine schallende Ohrfeige von den türkischen Wählern. Fast alle im Parlament vertretenen Parteien konnten Stimmengewinne verbuchen. Nein, die Ohrfeige ging Richtung Europa und den dortigen Wahl-Beobachtern.
Als die ersten Hochrechnungen für das Wahlergebnis über die Ticker liefen, fassten sich nicht wenige Türkei-Skeptiker in der EU beiläufig an die Wange und spürten einen kurzen Schmerz und eine sich schnell ausbreitende Wärme über Ihrer linken Gesichtshälfte. Woher kam diese unsichtbare, dafür aber umso fühlbare Ohrfeige für die Gegner eines EU-Beitritts der Türkei ?
Über 50 Millionen Wahlberechtigte haben in der Türkei am vergangenen Sonntag gewählt. Mit der Hälfte der abgegebenen Stimmen erhielt die regierende AKP-Regierung erneut die Verantwortung das Land weitere 4 Jahre zu führen - Wie in den vergangenen 9 erfolgreichen Jahren. Die türkischen Wähler honorierten die Leistungen von Premierminister Erdogan und seiner Regierung und schenkten ihm für weiteren politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen und Aufstieg Ihr Vertrauen.
Die türkischen Wähler waren aber weise genug, Ihren Premier nicht mit unbegrenzter Macht auszustatten und die von ihm proklamierte Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament zu gewähren. Somit wird eine Modernisierung der türkischen Verfassung im Alleingang durch die AKP verhindert. Die Regierung hat vielmehr den Volksauftrag erhalten, mit allen Oppositionsparteien und nicht-parlamentarischen Organisationen, wie z.B. den Gewerkschaften, einen breiten Konsens für eine neue Verfassung zu finden.
Das Wahlergebnis erschwert auf der einen Seite die Arbeit der Regierung an einer neuen Verfassung - Im Parlament sitzen neben der republikanischen Volkspartei CHP auch die nationalistische MHP und die kurdische BDP (politischer Arm der terroristischen PKK-Organisation). Auf der anderen Seite sorgt das Wahlergebnis jedoch auch dafür, das die neue Verfassung über einen maximalmöglichen Zuspruch in der türkischen Politik und Gesellschaft verfügen wird und einen weiteren Meilenstein in der Demokratisierung des Landes darstellen wird.
Der türkische Wähler hat bei dieser Wahl bewiesen, das er durchaus politisch Erwachsen geworden ist und eine gesundes Maß an demokratischem Empfinden besitzt.
Die Vorwürfe der EU-Beitritts-Skeptiker, das die Türkei politisch nicht den Grundsätzen der EU entspräche und der türkischen Gesellschaft ein demokratisches Werteempfinden fehlen würde, wurden durch diese Wahl am Sonntag als Vorurteile entlarvt.
Solange sich die Wähler in der Türkei weiterhin politisch besonnen zeigen und die Regierenden den Reform- und Modernisierungskurs weiterhin besonnen fortführen, ist der Weg für die Türkei frei, sich auch in der nächsten Legislaturperiode mit großen Schritten Richtung EU-Beitritt zu bewegen.

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Zuletzt aktualisiert: 20. Jun, 19:55

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